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Values 4/2003 Oldies mit Rendite Oldtimer stehen bei Sammlern hoch im Kurs. Aber nicht nur das: Im Laufe der Jahre steigt auch ihr Wert. Allerdings kommt es echten Fans von alten Fahrzeugen nicht auf den Wertzuwachs an, sondern in erster Linie auf den Zustand. “Stellen Sie sich das Deutschland der 50er Jahre vor“, schlägt Thomas Rosier vor. „Sie fahren auf der Autobahn - wie für die damalige Zeit üblich - mit einer Geschwindigkeit von 80 bis 90 Kilometern pro Stunde. Dann rast plötzlich ein dramatisch aussehendes Auto an Ihnen vorbei.“ Rosier spricht von einem Mercedes 300 SL mit einem für das Nachkriegsdeutschland sensationellen Design und der damals atemberaubenden Höchstgeschwindigkeit von 250 Stundenkilometern. Sehr viel Phantasie bedarf es bei dem Gedankenexperiment des Präsidenten des Mercedes Benz 300 SL-Clubs in Oldenburg nicht, um die Bewunderung für das Auto nachzuempfinden, das die Amerikaner wegen seiner einzigartigen Flügeltüren Gullwing (Möwenflügel) nannten. Aber auch heute noch verschlägt es Betrachtern des legendären Silberpfeils nicht selten die Sprache. „Es war einfach ein grandioser Wurf,“ sagt Rosier. „Vielleicht werden wir so etwas Schönes nie wieder bekommen.“ Auch der Preis für den zum Jahrhundertauto gewählten Mythos dürfte heute wie damals so manchen Autofan nach Atem ringen lassen: Kostete das Auto früher nur für Königshäuser, Filmschauspieler und Großindustrielle bezahlbare 29 000 Mark, muss der Liebhaber heute – je nach Zustand - mit Preisen bis über 300 000 Euro rechnen. Doch einen Mercedes 300 SL in der Garage stehen zu haben, ist nicht nur der pure Luxus. Das Auto ist dafür prädestiniert, seinen Wert zu halten und sogar noch zuzulegen: Der Flügeltürer kommt aus einem renommierten Stall. Er wurde in einer kleinen Stückzahl von 1400 Exemplaren gefertigt. Und er kann Erfolge beim 24-Stunden-Rennen in Le Mans sowie der Carrera Panamericana vorweisen. Wertzuwächse von bis zu sieben Prozent jährlich „Bei einem solchen Auto kann man heute innerhalb von zehn Jahren mit einer Wertsteigerung von etwa 70 Prozent rechnen“, schätzt Jan-Christopher Sierks von „Classicdriver“, einem europaweiten Internetmagazin für Luxusautos aller Jahrgänge. Das entspräche einer durchschnittlichen jährlichen Steigerung von fünf bis sechs Prozent. In diesem Rahmen lag in der Vergangenheit auch der Porsche 356 Speedster, der heute in der Preisklasse um 70 000 Euro angeboten wird. „Der Wert hat sich in den vergangen zehn bis fünfzehn Jahren verdoppelt“, hat Oldtimer-Händler Peter Barton vom Classic Car Center in Ludwigsburg ausgerechnet. Damit scheinen Oldtimer, die bis zu sieben Prozent und in Einzelfällen auch mehr Wertsteigerung haben können, gerade in wirtschaftlich schlechten Zeiten als Geldanlage durchaus lukrativ. Dennoch werden sie meist nicht allein aus der Hoffnung auf Wertsteigerung, sondern in erster Linie als Liebhaberstücke gekauft. „Der Wertzuwachs ist ein schöner Nebeneffekt“, sagt Thomas Rosier. Hinzu kommt: Wer mit einem Auto richtig Geld verdienen möchte, braucht ein glückliches Händchen beim Kauf und muss es auch zu einem geeigneten Zeitpunkt wieder verkaufen. Denn 100prozentig vorhersehbar ist die Nachfrage nach einem Auto nicht, zudem hängt sie – ebenso wie der aktuelle Wert – sehr stark von dem Zustand des einzelnen Oldtimers ab. Zudem müssen noch die Kosten für Reparaturen und Garagenmiete dagegen gerechnet werden. Rolf Surmann, Sachverständiger bei der Firma Classic Data, die Wertgutachten für Oldtimer erstellt, warnt sogar ausdrücklich vor rein finanziellen Interessen. Hintergrund seiner Bedenken ist eine Geschichte, die der jüngsten Börsenkatastrophe gleicht: 1988, nach dem Tod des großen italienischen Autobauers Enzo Ferrari, zogen Ferraris und in ihrem Schlepptau auch deutsche und englische Klassiker stark im Preis an. Der Höhepunkt war erreicht, als 1990 ein Ferrari GTO, Baujahr 1962, für knapp 16 Millionen Mark versteigert wurde. Wenige Wochen später platzte die Spekulationsblase. Der Ferrari GTO war wieder für 3,5 Millionen Mark zu haben. Alternative zum langweiligen Neuwagen Jenseits solch abenteuerlicher Spekulationen kann ein Oldtimer jedoch einen ganz soliden finanziellen Vorteil haben. Nämlich dann, wenn er sich als Alternative zu einem Neuwagen fahren lässt, der in den ersten drei bis vier Jahren bis zur Hälfte seines Wertes verlieren kann. Peter Steinfurth, Chefredakteur der Zeitschrift „Oldtimer-Markt“, empfiehlt etwa einen Mercedes 280 SL, der wegen seines in der Mitte durchhängenden Daches im Volksmund auch Pagode genannt wird. „Das ist ein Auto wie eine Bank“, sagt er. Zudem sei es – immer eine gute Pflege vorausgesetzt – genauso zuverlässig wie ein Neuwagen. Und, so Steinfurth: „Sie sind sehr stilvoll unterwegs“. Das können zweifelsohne auch Besitzer eines Aston Martin DB5 von sich behaupten, den Sean Connery als James Bond in Klassikern wie „Goldfinger“ und „Fireball“ gefahren hat. Oder aber Fahrer eines alten Porsche 911, der in diesem Jahr seinen 40. Geburtstag feiert. Möglich ist es aber auch, preisgünstiger „dem Einheitsbrei der neuen Autos“ zu entkommen, wie es Maik Hirschfeld, Vizepräsident des Bundesverbandes Deutscher Motoveteranen-Clubs (DEUVET) formuliert. Er betont, dass ein Oldtimer nicht unbedingt ein elitäres Gefährt sein muss, und führt Fahrzeuge wie einen Fiat Topolino oder einen VW Transporter T1 ins Feld. Dabei handele es sich um Autos mit einem hohen Erinnerungswert und erschwinglichen Preisen. Vor jedem Oldtimer-Kauf ist es wichtig, sich ausgiebig zu informieren. Möglich ist dies bei Oldtimer-Treffen und –Ausstellungen wie etwa der weltgrößten Oldtimershow „Techno Classica“ in Essen. Zudem gibt es fast zu jedem Modell jenseits der 30 Jahre Clubs und Vereine, die meist mit aktuellen Preislisten und Informationen zu dem persönlichen Traumwagen weiterhelfen können. Zudem kennen die Mitglieder die Schwächen und Vorzüge ihrer mobilen Schmuckstücke aus eigener Erfahrung. So besitzt auch Thomas Rosier vom Mercedes Benz 300 SL-Club einen solchen Klassiker in der Roadster-Version. Er dürfte sein Auto auch ganz besonders gut kennen: Der begeisterte Rennfahrer tritt damit bei historischen Rennen wie der Mille Miglia in Italien an. ANDREA BITTELMEYER
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