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Values 1/2003 Das perfekte Internet-Geschäft Seit seiner Gründung schreibt Ebay schwarze Zahlen. Selbst in der aktuellen Wirtschaftskrise kann das weltweit größte Internet-Auktionshaus seine Umsätze und Gewinne kontinuierlich steigern. Die Aktie hat sich im Vergleich zum Börsen-Index Nasdaq gut gehalten. Die Mehrzahl der Analysten, die das Unternehmen beobachten, sagt ihm eine große Zukunft voraus. Mega-Popstar Madonna versteigert für einen guten Zweck ihren berühmten Cowboy-Hut. Ein Eishockey-Verein aus Alaska verkauft seine gesamte Mannschaft. Eine texanische Firma bringt einen Business-Jet für fünf Millionen Dollar unter den Hammer. Und sogar Queen Elisabeth mischt mit: Sie überlässt bei einer Wohltätigkeitsauktion dem Höchstbietenden für sieben Tage ihren Landsitz in Schottland. Bei Ebay, dem weltweit größten Internet-Auktionshaus, jagt eine Sensation die andere. Die spektakulären Versteigerungen auf der Website des Unternehmens mit Sitz im kalifornischen San José sind jedoch lediglich die Spitze eines riesigen Eisbergs: Weltweit wird über Ebay alle zwei Sekunden ein Kleidungsstück verkauft, alle acht Sekunden ein Videospiel. Im Zwanzig-Sekunden-Rhythmus gehen Kameras über die virtuelle Ladentheke. Jede halbe Minute wechselt ein Laptop den Besitzer. Alle 15 Minuten wird ein Motorrad versteigert. Um die Zahlen deutlicher sprechen zu lassen: Im Jahr 2001 setzten Ebay-Verkäufer Güter im Wert von zehn Milliarden Dollar um. Weltweit stehen ständig zehn Millionen Artikel zum Verkauf. Das Auktionshaus zählt fast 55 Millionen registrierte Mitglieder. Der Pionier der Online-Flohmärkte hat seine Nachahmer weit hinter sich gelassen und einen Status als Quasi-Monopolist erlangt. Ebay spielt wie der Internet-Versandhandel Amazon und das Web-Portal Yahoo in der Top-Liga der E-Commerce-Unternehmen. Dabei ist die Erfolgsgeschichte des Unternehmens für die Branche äußerst ungewöhnlich: Das Auktionshaus schreibt seit der Gründung im Jahr 1995 schwarze Zahlen und konnte selbst in der Krise der New Economy den Profit kontinuierlich steigern. Das liegt vor allem an seinem Geschäftsmodell. Denn: Während sich viele klassische E-Commerce-Unternehmen mit den Kosten für Lager und Logistik übernommen haben, stellt Ebay lediglich eine Software-Plattform zur Verfügung. Abgewickelt wird das Geschäft zwischen Verkäufer und Käufer. Und während ein Großteil der Dienstleistungsportale dahingerafft wurde, weil sie die Werbeeinnahmen heillos überschätzt haben, setzt Ebay in erster Linie auf Verkaufsprovisionen und Gebühren. „Das Konzept passt perfekt zum Internet“, sagt Ebay-Chefin Meg Whitman. Auch in Sachen Bezahlvorgang stellt das Unternehmen der 46-jährigen Top-Managerin die große Ausnahme: Während andere Online-Shops über die Ängste ihrer Kunden vor Kreditkartenbetrug und Datenklau klagen, zahlen die Käufer bei Ebay häufig per Vorkasse, überweisen vierstellige Beträge an wildfremde Verkäufer. Eine gewisse Sicherheit verschafft ihnen ein lebhaft genutztes Bewertungssystem, über das die Mitglieder gegenseitig ihre Zuverlässigkeit beurteilen. Dieses schützt selbstverständlich nicht hundertprozentig, und Betrugsfälle machen immer wieder Schlagzeilen. Laut Whitman enden jedoch weniger als 0,1 Prozent aller Auktionen mit einem gemeldeten und nachgewiesenen Schwindel. Whitman herrscht mittlerweile über Online-Marktplätze in 27 Ländern – von Kanada über Italien bis Australien und Taiwan. Die ortsansässige Konkurrenz hat sie überrundet oder aufgekauft - zum Beispiel alando.de, die damals führende Auktionsplattform in Deutschland oder iBazar, ehedem französischer Marktführer. Mit Ebay Motors wurde der größte Internethandelsplatz im Auktionsformat für Gebrauchtwagen und Zubehör eröffnet. Durch eine Kooperation mit dem Traditions-Auktionshaus Sotheby`s lassen sich bei Ebay hochwertige Kunstwerke ersteigern. Und das Auktionshaus wächst immer weiter: Selbst in der aktuellen Wirtschaftskrise, in der längst auch die Old Economy von Verlusten und Insolvenzen gebeutelt wird, präsentiert Whitman von Quartal zu Quartal steigende Umsatzzahlen und Gewinne. Von Juli bis September 2002 erreichten die Umsätze etwa 290 Millionen Dollar gegenüber 195 Millionen Dollar im Vorjahreszeitraum. Der Gewinn lag bei 61 Millionen Dollar und hat sich damit mehr als verdreifacht. Das Jahr 2002 will Ebay mit einem Umsatz von etwa 1,1 Milliarden Dollar abschließen. 2003 soll er auf rund 1,8 Milliarden Dollar steigen. Auch die meisten der Analysten großer amerikanischer Investmentbanken, die das Unternehmen beobachten, glaubt an das weitere Wachstum. Sie sehen das Kundenpotenzial von Ebay längst noch nicht ausgeschöpft. Mit dem Erfolg wandelt sich das Gesicht des Auktionshauses: Zu den Privatpersonen, die hauptsächlich Trödel, abgelegte Kleider oder ihre Comic-Sammlung verkaufen, haben sich kleine und mittlere Unternehmen gesellt. Sie nutzen den riesigen Kundenstamm, sparen sich Verkaufsräume sowie das Marketing für einen eigenen Online-Shop. Häufig sind die Unternehmen sogar erst durch das Auktionshaus entstanden. In den USA haben 150 000 Verkäufer ihren früheren Beruf an den Nagel gehängt, um über Ebay mit Mode, Antiquitäten oder Kleinelektronik zu handeln. Als so genannte Power Seller machen sie einen monatlichen Umsatz von einigen Tausend bis zu mehreren Hunderttausend Dollar. Ebay braucht professionelle Verkäufer, um die Umsätze zu steigern. Das Unternehmen bietet deshalb neue Formen des Internethandels an: So können sich Firmen auf der Website eigene Shops einrichten. Ebenfalls neu ist die Möglichkeit, Produkte ausschließlich zu Festpreisen anzubieten. Verkäufe ohne Auktionsverfahren machen bereits über 20 Prozent des Handelsvolumens aus. Auch große Markenartikelhersteller und Händler beginnen auf dem Ebay-Marktplatz zu verkaufen – darunter die Computer-Hersteller IBM und Dell. Über neue Handelsformate hinaus sollen die Viel-Verkäufer jedoch keine Vorteile bekommen. „Wir sind so erfolgreich, weil bei uns jeder die gleiche Chance hat“, sagt Philipp Justus, Chef von Ebay Deutschland, der die stolze Zahl von über fünf Millionen Mitgliedern vorweisen kann. Auch 1000 Power Seller sind hier zu Lande bereits aktiv. In Zeiten, in denen der Einzelhändler um die Ecke klagt und jammert, schicken sie Hunderte von Paketen rund um den Globus.
Kaufen bei Ebay: Allein auf der deutschen Website von Ebay stehen täglich eine Million Artikel – von Comics und Videos bis hin zu Möbeln und Autos – zum Verkauf. Häufig gibt es diese im Laden gar nicht mehr oder sie sind dort wesentlich teurer. Wer ein wirkliches Schnäppchen machen möchte, muss aber schon genauer hinschauen. 1. Bevor für ein Produkt geboten wird, sollte der Neu- bzw. der Ladenpreis eingeholt werden. Schließlich soll sich das Ersteigern lohnen. 2. Steht der Artikel häufiger im Angebot, gilt: zunächst andere Auktionen beobachten und abwarten, was dafür gezahlt wird. 3. Wichtig: Versandkosten überprüfen, damit der Preishammer nicht im Nachhinein zuschlägt. Das gilt besonders für Sendungen aus dem Ausland. 4. Wer ein Produkt unbedingt haben möchte, sollte gegen Ende der Auktion einsteigen, damit andere nicht mehr auf das Gebot reagieren können. 5. Bezahlt werden die Produkte per Nachnahme oder per Vorkasse an den Verkäufer. Wer bei teuren Gütern auf Nummer Sicher gehen will, kann einen kostenpflichtigen Treuhandservice in Anspruch nehmen.
Verkaufen bei Ebay: Allein in Deutschland gibt es fünf Millionen registrierte Ebay-Nutzer, in einem Monat zählt die Plattform bis zu zehn Millionen verschiedene Besucher. Sie alle sind potenzielle Käufer. Somit kann sich das Verkaufen über Ebay durchaus lohnen. Automatisch wird die Versteigerung jedoch nicht zum Erfolg. 1. Vor dem Verkauf steht die Marktanalyse: Welcher Preis wird für dieses oder ähnliche Produkte gezahlt? Ist der Verkauf über Ebay attraktiv? 2. Wichtig ist es, den Startpreis richtig zu wählen. Sonst geht die Ware unter Umständen zu günstig weg oder sie bleibt liegen. 3. Der Verkäufer zahlt bei Ebay Einstellgebühren und eine Verkaufsprovision. Auch diese Kosten sollten einkalkuliert werden. 4. Potenzielle Bieter sollten ausführlich informiert werden: Am Besten mit einem Foto, auf dem das Produkt gut zu erkennen ist. Die Ware steht mehrere Tage zum Verkauf. Fragen, die in der Zwischenzeit per E-Mail gestellt werden, sollten zügig beantwortet werden. 5. Per Nachnahme zu versenden, ist für den Verkäufer ein großes Risiko. Ist der Kunde jedoch in Vorleistung getreten, sollte die Ware schnellstmöglichst versendet werden.
ANDREA BITTELMEYER
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