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Values 1/2004 Blue Chips auf dem Kunstmarkt Auf der Suche nach hohen Renditen greifen Anleger gerade in schlechten Börsenzeiten zunehmend zur Kunst. Doch auch hier lauern große Risiken, für Gewinne gibt es keine Garantie. Ein guter Berater kann jedoch die Chancen erhöhen. Und: Die Lebensqualität kann Kunst auch ohne große Wertsteigerung verbessern. Seit 35 Jahren beschäftigt sich Jürgen Becker mit den Werken bedeutender Künstler wie Joseph Beuys, Gerhard Richter und Sigmar Polke. Zum Thema Kunst und Wertsteigerung erzählt der Hamburger Galerist jedoch eine Begebenheit, die noch gar nicht so lange her ist: Als er einen Kunden besuchte, lag dort ein Bild des Malers Peter Doig, das der Sammler wenige Jahre zuvor für 8500 D-Mark gekauft hatte. Auf die Frage, was er damit vor habe, sagte der Besitzer: „Das gefällt mir nicht mehr so gut. Ich will es einem guten Freund schenken, der in eine andere Stadt zieht.“ Was er nicht wusste: Das Bild war inzwischen ein Vielfaches wert. Die Geschichte passt gut zu der Einstellung, die Jürgen Becker zum Kunstmarkt hat. Denn: Kunst ist seiner Meinung nach für einen Sammler in erster Linie eine intellektuelle Beschäftigung. Doch sagt er auch, dass die Wertsteigerung von Gemälden, Fotos und Installationen erheblich sein kann. Deshalb würden Kunstwerke gerade in schlechten wirtschaftlichen Zeiten zunehmend als Vermögensanlage interessant. „Die Anleger sehen, dass ihre Aktien abgestürzt sind und dass Bilder von Gerhard Richter noch immer im Wert steigen“, erklärt Becker. Die gestiegene Attraktivität des Kunstmarkts schlägt sich auch in Zahlen nieder. So taxieren Experten den weltweiten Umsatz auf dem Kunstmarkt auf über 20 Milliarden Euro. 1977 lag das Marktvolumen noch bei umgerechnet 1,8 Milliarden Euro. Der Handel ist zu einer riesigen Maschinerie geworden. Große Galerien und Auktionshäuser vermarkten zeitgenössische Künstler auf der ganzen Welt. Mittlerweile jagt eine international bedeutende Kunstmesse in Berlin, Paris, Basel, London oder New York die andere. Der Maler Gerhard Richter gilt auf diesem Markt als Blue Chip – wie analog zur Börse die Substanzwerte genannt werden. Waren Bilder von ihm vor 30 Jahren noch für 10 000 D-Mark zu haben, brachten einige seiner Werke auf Auktionen bereits deutlich mehr als eine Million Euro, Dollar oder Pfund. Für die vergangenen Jahre hat das Unternehmen Artprice, das eine riesige Datenbank mit Kunstverkäufen pflegt, die durchschnittliche Wertsteigerung seiner Bilder berechnet: Demnach hatten 100 Euro, die 1997 in ein Werk von Richter investiert wurden, im Dezember 2002 einen durchschnittlichen Wert von 326 Euro. Doch solche Betrachtungen können auch in die Irre führen. Angesichts der verlockenden Zahlen, lässt sich schnell übersehen, dass es auch immer wieder Kunstzweige gab, die sehr angesagt waren und dann vollständig vom Markt verschwunden sind. Und man vergisst, dass es Bilder bekannter Maler gibt, die sich nicht oder nur sehr schwer verkaufen lassen. Jürgen Becker warnt: „Wenn jemand versucht, ein Bild zum Schnäppchenpreis zu kaufen und teuer wieder zu verkaufen, geht das mit Sicherheit daneben.“ Und das, obwohl im nachhinein alles so einfach aussieht. So hält auch die Rangliste der zehn teuersten Gemälde der Welt, zumindest was die Namen der Künstler angeht, aus heutiger Sicht keine großen Überraschungen bereit: Auf ihr stehen drei Werke von van Gogh und vier von Picasso. Ebenfalls vertreten sind Rubens, Cezanne und Renoir. Die Nummer zwei, das „Porträt des Dr. Gachet“ von Vincent van Gogh, wechselte 1990 für 82,5 Millionen Dollar den Besitzer. Doch als van Gogh noch lebte, war das nur schwer zu erahnen. Das verdeutlichte der verstorbene Kunsthistoriker Ernst Gombrich mit einem Blick in das Jahr 1890: Damals hätte es seiner Ansicht nach schon seherische Fähigkeiten verlangt, zu erkennen, „dass die drei Zeitgenossen, die sich als bahnbrechend herausstellen würden, van Gogh, Cezanne und Gaugin waren. Der erste ein halbverrückter Autodidakt, der irgendwo in Südfrankreich wie besessen malte, der zweite ein wohlhabender scheuer Herr, der schon lange aufgegeben hatte, Ausstellungen zu beschicken, und der dritte ein Börsenmakler, der erst spät zu malen begonnen hatte und bald darauf als Europamüder in die Südsee gegangen war.“ Trotz all der Unsicherheiten geben Auktionen und Verkäufe bedeutende Signale dafür, welchen Wert ein Künstler derzeit hat. Auf andere wichtige Kriterien stützt sich der Kunst-Kompass, das Informations- und Bewertungssystem der Zeitschrift Capital, der bereits seit dem Jahr 1970 jährlich erscheint. Hier werden Rang und Ruhm zeitgenössischer Künstler unabhängig von Markt- und Verkaufserfolg bewertet. So zählen etwa die Zahl der Einzel- und Gruppenausstellungen in international renommierten Museen sowie Rezensionen in weltweit anerkannten Kunstmagazinen. Auch diese Liste wird angeführt von dem bekannten deutschen Maler Sigmar Polke. Auf Platz zwei steht Gerhard Richter. Jedoch gilt es auch zu bedenken: Künstler, die seit Jahrzehnten hoch gehandelt werden, lassen häufig keine überdurchschnittliche Rendite mehr
erwarten, weil sie aktuell zu teuer sind. Deswegen lohnt sich auch ein Blick auf die Aufsteiger. Im aktuellen Kunst-Kompass, der im November 2003 erschienen ist, zählt dazu die Fotokünstlerin Candida Höfer. Sie fotografiert
seit 30 Jahren menschenleere Innenräume wie Bibliotheken, Foyers und Bühnen. Und auch viele der anderen im vergangenen Jahr um einige Plätze höher gekletterten Künstler betreiben ihre Kunst mit Hilfe von Kamera, Video und
Computer. So kann es spannender sein, einen Künstler von Anfang an zu begleiten, wie es die Galeristin Karin Guenther tut, die häufig mit Jürgen Becker zusammen arbeitet. Und auch das kann sich finanziell auszahlen: So hat beispielsweise ein Bild der jungen Malerin Silke Otto-Knapp vor drei Jahren noch 1900 D-Mark gekostet. Heute ist es mehr als 5000 Euro wert. „Da kann sich der Wert schon einmal innerhalb eines Jahres verdreifachen“, sagt Becker. Bei aller Hoffnung auf solch schöne Gewinne sollte man jedoch nicht vergessen: Es kann auch schief gehen. Jedoch hat Kunst dann einen gewaltigen Vorteil gegenüber Aktien: Sie wirft eine psychische Rendite ab. „Sie kann die Lebensqualität deutlich verbessern“, sagt Becker, der für seinen Kunden bares Geld wert war. Dieser hat nämlich das Gemälde von Peter Doig dann doch nicht verschenkt. Es wurde für 100 000 Dollar versteigert.
Art Banking Die HypoVereinsbank verfügt über eine lange und intensive Tradition in der Beschäftigung mit Kunst. Das Geldinstitut besitzt mehr als 25 000
Kunstwerke, hat sich einen Namen als Kunstförderer gemacht und in München eine eigene Kunsthalle eröffnet, in der Werkspräsentationen von Chagall, Picasso oder Monet ebenso stattfinden wie zeitgenössische Film- und
Videoprojektionen. Will sich ein Kunstliebhaber beispielsweise eine eigene Sammlung aufbauen, kann das Art-Banking-Team einen kompetenten Berater vermitteln, der in Zusammenarbeit mit dem Sammler ein Geschmacksprofil erstellt. Auf dieses erfolgt eine Budgetplanung. Anschließen erhält der Kunde konkrete Vorschläge zu Objekten und Informationen darüber, welche Galerien diese Werke anbieten oder welche Gemälde zurzeit auf Messen oder Auktionen angeboten werden. Art Banking kann auch nicht garantieren, dass der Wert eines gekauften Bildes in einigen Jahren oder Jahrzehnten in schwindelerregende Höhen schießt. Aber der Erwerb, der Besitz oder der Verkauf von Kunst kann durch den Service einfacher, angenehmer und möglicherweise auch ertragreicher gestaltet werden. ANDREA BITTELMEYER
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