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Tomorrow 1/2005 Wenn Mails verschwinden Gegen Spam hilft nur eins: Spamfilter. Nur dumm, wenn heiß ersehnte und wichtige Mails irrtümlich herausgefiltert werden. „False positives“ und was man gegen sie tun kann. Unerwünschte E-Mail-Werbung ist eine Plage, kein Zweifel. Immer mehr Internetnutzer greifen daher zum einzigen wirksamen Gegenmittel: dem Spamfilter. Doch das kann auch nach hinten losgehen: wenn dringend erwartete Post irrtümlich im Datenmüll landet. Die Flut unerwünschter Werbebotschaften schwillt immer weiter an. Laut einer Statistik des Unternehmens Brightmail machte Spam im Februar 2004 weltweit bereits 62 Prozent aller E-Mails aus. Im Februar 2003 waren es noch 42 Prozent. Da ist es kein Wunder, dass immer mehr User entnervt zu einem Spamfilter greifen. Sie sind es leid, mit Massen von Viagra-Werbung und schlüpfrigen Sexangeboten bombardiert zu werden. Damit kommt jedoch schon wieder ein neues Problem auf die Webgemeinde zu: Die Filter, die E-Mails aufgrund verdächtiger Merkmale wie Absenderadresse oder Betreffzeile aussortieren, blockieren auch erwünschte E-Mails. In zahlreichen Communities beschweren sich User immer häufiger darüber, dass wichtige Nachrichten „vom Spamfilter gefressen wurden.“ „Juneau“ schreibt in ihrem Online-Tagebuch: „Sieben Mails, die ich eigentlich haben wollte, habe ich in meinen gelöschten Objekten gefunden. Mein Spamfilter hat sie dahinein befördert.“ In den Foren des Auktionshauses Ebay stöhnen die Händler, weil sie ihre Kunden nicht erreichen. Die vermutete Ursache: Spamfilter. Dass der Spamfilter eine erwünschte E-Mail aussortiert, kann daran liegen, dass sie ein bestimmtes Wort enthält wie „Viagra“ oder „Superschnäppchen“. Möglicherweise ist aber auch die Tatsache dafür verantwortlich, dass die Nachricht an viele verschiedene Empfänger versendet wurde. Die Filter-Hersteller, die wissen, dass kein automatischer Filter hundertprozentig arbeiten kann, nennen die fehlerhaft als Spam klassifizierten E-Mails „false positives“. Laut einer Studie des Marktforschungsinstituts Radicati Group in Palo Alto zählen 48 Prozent der User im Monat bis zu fünf davon. Meistens handelt es sich dabei um Nachrichten von Unternehmen: „Rund 20 Prozent aller E-Mails, die von deutschen Firmen versendet werden, werden fälschlicherweise blockiert und erreichen ihre Adressaten nie“, erklärt Torsten Schwarz, Leiter Online-Marketing von eco, dem Verband der Deutschen Internetwirtschaft. Nach seinen Erfahrungen kommen abonnierte Newsletter, aber auch Rechnungen oder Bestellbestätigungen häufig nicht an. „Sicher kann man sich aber auch bei persönlichen Nachrichten nicht sein“, warnt Schwarz. Der Schaden für den Einzelnen ist schwer einzuschätzen. „Schließlich kann eine einzige Mail, die ich nicht bekommen habe, die wichtigste gewesen sein“, sagt Bernd Böhm, der auf der Website www.computer-greenhorn.de zu Computer-Themen berät. Geschäftsleuten könnten Aufträge durch die Lappen gehen, Jobsuchende eine positive Nachricht auf ihre Online-Bewerbung verpassen. Böhm empfiehlt daher, die vom Spamfilter aussortierten Mails auf keinen Fall ungesehen in den Mülleimer laufen zu lassen. Am besten richtet man seiner Meinung nach den Filter so ein, dass als Spam klassifizierte Mails in einen separaten Ordner fließen. „Diesen muss man dann nicht unbedingt täglich, aber doch regelmäßig durchsehen“, erklärt er. Um zusätzlich die Quote der false positives zu verringen, sollte man sich mit den Einstellungen und Techniken des Filters vertraut machen. „Viele Probleme resultieren daraus, dass Spamfilter unüberlegt eingesetzt werden“, ist er sich sicher. Der auf Online-Recht spezialisierte Düsseldorfer Rechtsanwalt Michael Terhaag hat einen Rat, der sich an die Absender elektronischer Botschaften richtet: „Wenn es um wichtige Sachen geht, sollte man sich nicht blind darauf verlassen, dass E-Mails ankommen“, sagt er. Vor Gericht gehe der Verlust einer E-Mail in beinahe allen Fällen zu Lasten des Senders. Seine Geschäftspartner bittet Terhaag, sensible Informationen, Fristen oder Termine zusätzlich per Fax zu schicken - oder zumindest eine ausdrückliche Empfangsbestätigung zu fordern.
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ANDREA BITTELMEYER
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