Tomorrow-Sonderheft Ebay, Oktober 2004

Heiße Ware gesucht? Hier werden Verkäufer fündig

Die Warenbeschaffung für den professionellen Handel bei Ebay ist alles andere als ein Kinderspiel. Aber: Wer einen guten Geschäftssinn hat und zudem Kontakte zu Herstellern und Händlern knüpft, hat Chancen auf Erfolg.

Wenn Powerseller berichten, wie sie auf ihre Geschäftsidee gekommen sind, erzählen viele eine spannende Geschichte. So wie Harald Subke. Der 29jährige Chemie-Student suchte im Sommer 2003 ein Sonnenbrillen-Modell aus dem Kultfilm „Matrix“. Als er dieses in Deutschland nicht bekam, schaute er sich bei Ebay USA um und wurde prompt fündig. Clever nutzte er die Marktlücke, kaufte gleich mehrere Brillen und verkaufte sie mit großem Erfolg über Ebay Deutschland. Das spornte ihn zum Weitermachen an. Erst bestellte er die Ware beim Fachhändler in den USA, später beim Großhändler. Schnell hatte er 1 500 Brillen verkauft.

Heute bietet Harald Subke unter dem Ebay-Namen „subke-com“ sechs verschiedene Brillenmodelle an und bestellt seine Ware auch schon einmal direkt beim Hersteller in Fernost. Dadurch senkt er seinen Einkaufspreis, weil Importeure, Groß- und Zwischenhändler ausgeschaltet sind. Er hat damit jedoch auch jede Menge Arbeit, muss den Transport selbst organisieren und sich mit Einfuhr- und Zollbestimmungen auseinandersetzen. Und zumindest am Anfang ging er mit der Bestellung in Fernost ein großes Risiko ein: In Asien muss er bis zu 10 000 Brillen auf einmal abnehmen und die Ware im Voraus bezahlen. Und das, obwohl bei den Produkten die Qualität manchmal zu wünschen übrig lässt. „Ich stand schon am Hamburger Flughafen und hatte Tränen in den Augen“, berichtet der Unternehmer. „Da hatte ich Kubikmeter an Brillen und die waren nicht zu gebrauchen.“

Die Schilderungen von Harald Subke zeigen: Die Beschaffung von Ware, mit der sich über Ebay ein guter Verdienst erzielen lässt, ist kein Kinderspiel. Sie will ganz im Gegenteil gut durchdacht und geplant sein. Sonst hat die Karriere als Powerseller ein schnelles Ende oder fängt erst gar nicht an. „Ich habe auch schon einige scheitern sehen“, erklärt Subke, „bei denen hat es gar nicht geklappt.“

 Den häufigsten Grund dafür nennt Powerseller Timo Büchsenmann: „Der Konkurrenzkampf ist immer größer geworden.“ Büchsenmann verkauft über seinen Ebay-Shop jährlich Computer und Zubehör im Wert von 1,5 bis zwei Millionen Euro. Auch er importiert teilweise aus Fernost und auch er kennt das Risiko. „Die wollen schon mal 20 000 Dollar Vorkasse, sonst fängt dort niemand an zu produzieren“, erklärt er. Er selbst hat sich mit einem erfahrenen Großhändler zusammengetan, um in China 1000 bis 5000 Artikel in Auftrag geben zu können.

“Der Wettbewerb läuft bei Ebay heute fast nur noch über den Preis ab“, erklärt der Profiseller. Ein günstiger Einkaufspreis ist also lebenswichtig. Meist lässt er sich nur erzielen, wenn man sich auf ein Produkt spezialisiert und große Mengen abnehmen kann. Dazu braucht man in der Regel schon ein wenig Startkapital, erklären die Profi-Verkäufer, die sich meist neben ihrem Beruf Stück für Stück an das Geschäft herangetastet haben oder bereits vorher als Einzelhändler tätig waren. Hilfreich sind beim Einkauf aber auch vor allem Kontakte zu Herstellern und Händlern, die man entweder aus seinem vorherigen Berufsleben mitbringt oder aber Stück für Stück aufbauen muss.

Gerade beim Import gilt es zudem, sich intensiv mit Zoll- und Einfuhrbestimmungen zu beschäftigen. Denn hier lauern neben zusätzlichen Kosten auch einige Fallen: So ist beispielsweise die Einfuhr für die bei Ebay heiß begehrte Markenware reglementiert. Aus Nicht-EU-Ländern importieren darf nur, wer über eine Genehmigung des Markeninhabers verfügt. Liegt diese nicht vor, kann der Zoll die Sendungen auf Antrag des Markenherstellers beschlagnahmen und vernichten. Besonders häufig kommt das vor, wenn sich Hersteller wie Puma oder Ralph Lauren vor importierten Fakes fürchten. Wie die Diskussionen in den Ebay-Foren zeigen, hat hier schon mancher Verkäufer Lehrgeld gezahlt. Über die Einfuhrbestimmungen und Zölle informiert die entsprechende Abteilung beim Zoll.

Aber auch innerhalb der EU-Grenzen hat die Warenbeschaffung ihre Tücken. So sollte man sich, bevor man im großen Stil einkauft, sehr sicher sein, dass das Produkt auch gefragt ist. Da hilft es natürlich sehr, wenn man sich gut in der jeweiligen Branche auskennt. So ist Timo Büchsenmann automatisch immer auf dem Laufenden, weil Computer gleichzeitig sein Hobby sind. Harald Subke war kürzlich auf einer Messe in Mailand, um sich die neuesten Trends bei Sonnenbrillen anzuschauen. Wichtige Informationen liefert jedoch auch Ebay selbst. So lässt sich hier feststellen, welche Preise für welche Produkte erzielt werden und wie groß die Konkurrenz ist. Bei der Frage, welche Artikel in Zukunft gefragt sein werden, kann auch ein Blick auf Ebay USA hilfreich sein.

Hat man schließlich eine Geschäftsidee gefunden gilt es, an Hersteller oder Großhändler heranzutreten oder bei Discountern nach geeigneter Ware zu stöbern. Aber auch im Internet gibt es Möglichkeiten, nach Schnäppchen Ausschau zu halten. Ein Beispiel ist hier die Website www.restposten.de, über die Groß- und Zwischenhändler Ware aus Überproduktionen, Restbeständen und Konkursen anbieten. Vor dem tatsächlichen Kauf, sollte der Verkäufer dann noch einmal gut kalkulieren und dabei keine wichtigen Positionen vergessen: Sonst bleibt nach Abzug von Fracht-, Lagerkosten und Ebay-Gebühren kein Gewinn mehr übrig.

Wer alle Hürden gemeistert und sein Geschäft auf Ebay erfolgreich angekurbelt hat, kann später sein Sortiment ausbauen. Viele Powerseller raten dazu, damit man nicht allein von dem Erfolg eines Produkts abhängig ist. So verkauft Timo Büchsenmann mittlerweile nicht nur Computerzubehör unter seinem Ebay-Namen „www-x-part-de“, sondern hat fünf verschiedene Ebay-Accounts. Über einen verkauft er nur Markenkleidung der Qualität 1B. „Das sind die Reklamationen von einem Versandhaus“, erklärt er.

Für das Versandhaus verkauft Timo Büchsenmann als Verkaufsagent. Das ist eine weitere Möglichkeit, über Ebay Geld zu verdienen. Dabei kauft der Ebay-Verkäufer die Ware nicht, sondern der Hersteller oder Händler zahlt pro verkauftem Stück eine Provision. Wer nicht wie Büchsenmann bereits von allein attraktive Angebote bekommt, muss sich allerdings auch in diesem Fall selbst um die Ware bemühen. Büchsenmann würde sich davor bestimmt nicht bange machen. „Wenn man genau hinguckt, was es bei eBay gibt oder auch noch nicht gibt, findet sich immer wieder eine Möglichkeit“, sagt der 32jährige. Er hat auch schon zwei neue Ideen im Hinterkopf, mit denen er vermutlich „gut Geld verdienen kann.“

ANDREA BITTELMEYER

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