managerSeminare, September 2003

Das vaterfreundliche Unternehmen

Jahrelang wurden die Frauen gefördert und gefördert. Das Resultat: Viele von ihnen sind hoch qualifziert. Doch können sie ihre FĂ€higkeiten kaum einbringen. Bei der Geburt des ersten Kindes mĂŒssen sie ihre beruflichen Ambitionen gewaltig zurĂŒckschrauben, da die Erziehung in den meisten FĂ€llen alleine an ihnen hĂ€ngen bleibt. Das soll sich jetzt Ă€ndern: Unternehmen bemĂŒhen sich darum, VĂ€tern Teilzeitjobs schmackhaft zu machen.

Wenn Christian Wessels nachmittags um vier Uhr seinen Arbeitsplatz bei IBM verlĂ€sst, bleiben viele seiner Kollegen noch zwei Stunden lĂ€nger im BĂŒro. Der ein oder andere könnte ihm da schon einmal grimmig hinterherschauen. Gerechtfertigt ist dies jedoch nicht: Der 34jĂ€hrige interne Human Ressources Berater hat offiziell seine Arbeitszeit auf 80 Prozent reduziert. Das bedeutet: Statt 38 Stunden wöchentlich arbeitet Wessels nur noch 30 Stunden.

Der Grund fĂŒr Christian Wessels Entscheidung war die Familie, genauer gesagt: die heute dreieinhalbjĂ€hrige Tochter und der neun Monate alte Sohn. Nach der Geburt der Tochter wollte seine Frau gerne wieder arbeiten und auch nach der Auszeit fĂŒr den kleinen Sohn möchte sie im Herbst wieder eine halbe Stelle als Lehrerin annehmen. „Wir mussten eine Regelung innerhalb der Partnerschaft finden“, sagt Wessels.

Mit der Entscheidung fĂŒr die Teilzeitregelung dĂŒrfte Wessels nicht nur bei seiner Frau ordentlich Punkte gemacht haben, auch die Frauenbeauftragten in den Unternehmen loben VĂ€ter wie ihn in den höchsten Tönen. Die Experten haben nĂ€mlich erkannt, dass es nicht viel bringt, die Frauen per Quote und Fortbildungsmaßnahmen zu fördern und zu fördern, wenn sie sich nach wie vor alleine um den Nachwuchs kĂŒmmern mĂŒssen. Denn das bedeutet: Sie können spĂ€testens nach dem zweiten Kind die Doppelbelastung nicht mehr bewĂ€ltigen, bleiben zu Hause und verzichten auf den Posten in der Chefetage.

MĂ€nner rĂŒcken ins Visier der Frauenbeauftragten

„Die Gleichstellung der Geschlechter braucht die Beteiligung der MĂ€nner“ sagt Stephan Höyng, Professor an der Katholischen Hochschule fĂŒr Sozialwesen in Berlin und Leiter des von der EU geförderten Projekts „Work Changes Gender“, das sich mit dem Wandel der Arbeitswelt und den Konsequenzen fĂŒr die mĂ€nnlichen Arbeitnehmer beschĂ€ftigt. Und tatsĂ€chlich rĂŒcken die MĂ€nner ins Visier der Frauenbeauftragten, die damit auch ihre alte Berufsbezeichnung abstreifen und zu Gender-, Diversity- oder Work-Life-Balance-Beauftragten werden. Sie sollen sich jetzt nicht lĂ€nger nur um die weiblichen Mitarbeiter kĂŒmmern, sondern die Arbeitsbedingungen fĂŒr beide Geschlechter verbessern.

Denn den Experten ist lĂ€ngst klar: Auch die MĂ€nner fĂŒhlen sich zwischen Beruf und Familie hin- und hergerissen. So belegen verschiedene Studien, dass MĂ€nner mit der Rolle des Feierabend-Vaters nicht lĂ€nger zufrieden sind. „Zwei Drittel der MĂ€nner sehen sich nicht als ErnĂ€hrer der Familie, sondern als Erzieher ihrer Kinder“, sagt Professor Wassilios Fthenakis, Leiter des Zentrums fĂŒr FrĂŒhpĂ€dagogik in MĂŒnchen. Er hat fĂŒr die Familienstudie der Landesbausparkassen (LBS) sieben Jahre lang die Entwicklung von 175 Paaren beobachtet und bei der Veröffentlichung der Ergebnisse im Sommer vergangenen Jahres bemerkt: „Noch sind wir weit davon entfernt, diesen MĂ€nnern ausreichende Chancen zu eröffnen, um ihr Konzept von der Vaterschaft umsetzen zu können.“

Die MĂ€nner arbeiten zu viel

Derzeit arbeiten die VĂ€ter schlicht und einfach zu viel, um sich um ihren Nachwuchs zu kĂŒmmern. Laut der LBS-Familienstudie arbeiten FamilienvĂ€ter mit einem Kind etwa 40 Stunden pro Woche. Und damit ist der Extremfall lĂ€ngst noch nicht beschrieben. Top-Manager verbringen laut einer aktuellen Studie der Kienbaum Management Consultants GmbH durchschnittlich zehn Stunden pro Tag an ihrem Arbeitsplatz. Sie arbeiten damit sogar 50 Stunden pro Woche und dĂŒrften ihre Kinder in den ersten Jahren zumindest von Montag bis Freitag kaum wach zu Gesicht bekommen.

Der wichtigste Grund fĂŒr das Arbeitsverhalten der „Dinosaurier VĂ€ter“ - wie der britische Forscher Richard Reeves MĂ€nner in klassischen FamilienverhĂ€ltnissen nennt: Nach wie vor lastet die finanzielle Verantwortung fĂŒr die Familie auf den VĂ€tern. Darum wollen sie auf keinen Fall ihren Job verlieren und am besten schnell die Karriereleiter erklimmen. Damit stehen sie, wie die Psychologen Claudia Quaiser-Pohl und Horst Nickel in einer Studie zum Thema „Junge Eltern im kulturellen Wandel“ schreiben, zunehmend unter Druck: „Durch eine ĂŒberdurchschnittliche Leistungsorientierung in allen Lebensbereichen, im Beruf, der Vaterrolle und der Partnerschaft, setzen sich junge VĂ€ter anscheinend unter einen extremen Erfolgszwang.“

Ein großer Teil von ihnen scheitert, zumindest was die Partnerschaft betrifft. Sehr oft lĂ€utet das erste Kind das Ende der glĂŒcklichen Paarbeziehung ein: 90 Prozent der fĂŒr die LBS-Studie befragten Paare gaben an, dass sie weniger Zeit fĂŒreinander haben. Jedes zweite Paar berichtet von Verstimmungen und Verspannungen. Bei MĂ€nnern und Frauen klettern die DepressivitĂ€tswerte, die Auskunft ĂŒber Niedergeschlagenheit und Unwohlsein geben, in bedenkliche Höhen. Die Zahl der Scheidungen spricht eine deutliche Sprache. Dabei liegt die Lösung auf der Hand. „Paare, die sich Erwerbsarbeit und Kinderziehung teilen, kommen mit der Doppelbelastung am besten zurecht“, sagt Fthenakis, der auch im Auftrag der Bundesfamilienministerin Renate Schmidt in Sachen Zukunft der Familie forscht.

Unternehmen unterstĂŒtzen neue Form der Partnerschaft

Inzwischen bemĂŒhen sich Unternehmen wie IBM, Lufthansa, Volkswagen und Telekom darum, diese neue Form der Partnerschaft zu unterstĂŒtzen, indem sie MĂ€nnern Teilzeitregelungen schmackhaft machen. Sie werben gemeinsam mit der Bundesregierung fĂŒr das Teilzeitgesetz, nachdem jeder Arbeitnehmer das Recht auf Teilzeit hat, sowie fĂŒr die neue Elternzeit, nach der sich Mutter und Vater bei der Kindererziehung abwechseln und dabei bis zu 30 Stunden pro Woche arbeiten können. Doch zumindest laut der Statistik sind die Resultate bislang bescheiden: Die mĂ€nnliche Teilzeitquote in Deutschland hĂ€lt sich nach wie vor hartnĂ€ckig bei etwa fĂŒnf Prozent.

Die Experten kennen die GrĂŒnde: „Oft werden MĂ€nner, die Elternzeit nehmen, von ihren Kollegen komisch angeschaut“, erklĂ€rt Stephan Höyng. Ein weiteres Hindernis, das hĂ€ufig unterschĂ€tzt wird: Die MĂŒtter der jungen VĂ€ter sehen ihre Söhne lieber im BĂŒro als auf dem Spielplatz oder beim Windeln wechseln. „Die stĂ€rksten Bedenken kamen von meinen Eltern“, erinnert sich auch Christian Wessels, der bei IBM in Teilzeit arbeitet. Und Stephan Höyng weiß: „Sich gegen die traditionellen Muster zu stemmen bedeutet einen stĂ€ndigen Willensprozess.“

Diesen unterstĂŒtzt Traudel Klitzke, Frauenbeauftragte bei Volkswagen. Der Wolfsburger Konzern bietet im Rahmen der betrieblichen Weiterbildung ein Seminar zur Work-Life-Balance fĂŒr werdende Eltern an. Darin besprechen die Eltern, noch bevor das Kind ihr gesamtes Leben umkrempelt, wie sie die Arbeit aufteilen werden und wie das Unternehmen ihnen dabei helfen kann. „Wir helfen ihnen, ein Gleichgewicht zu finden, bei dem beide Elternteile im Berufsleben bleiben können“, erklĂ€rt Klitzke.

VW: Vorzeigebeispiel in Sachen Familienfreundlichkeit

Der Volkswagen-Konzern gilt als der Leuchtturm unter den familienfreundlichen Unternehmen. Er befindet sich jedoch auch in einer besonderen Situation. Denn hier arbeiten oft Mutter und Vater fĂŒr denselben Arbeitgeber. So können beide die 28,8 Stundenwoche im Volkswagenkonzern auf 20 Stunden reduzieren. Dann verdienen beide Elternteile zusammen hĂ€ufig immer noch mehr als der Mann alleine. Auch die Angst vor dem Karriereknick will Klitzke relativieren: „Die FĂ€higkeiten, die Eltern bei der Kindererziehung erwerben, sind gleichzeitig die SchlĂŒsselqualifikationen, die wir von unseren FĂŒhrungskrĂ€ften erwarten.“ Gefragt seien Organisationsgeschick, TeamfĂ€higkeit und der souverĂ€ne Umgang mit kritischen Ereignissen – etwa wenn das Kind krank wird oder die Tagesmutter ausfĂ€llt.

Das Aufgabengebiet von Christian Wessels, der bei IBM bereits seit dreieinhalb Jahren in Teilzeit arbeitet, hat sich mit der Teilzeitregelung nicht verĂ€ndert. „Ich mache den gleichen Job wie vorher in Vollzeit, eine internationale TĂ€tigkeit in einem europĂ€ischen Team“, sagt er. Wessels glaubt auch nicht, dass seine Karriere ohne die Teilzeitregelung anders verlaufen wĂ€re. Und er fĂŒgt hinzu: „Viele Kollegen haben noch gar nicht gemerkt, dass ich in Teilzeit arbeite“.

Auch das ist keine Seltenheit. „TeilzeitkrĂ€fte sind die produktiveren und kreativeren Mitarbeiter“, sagt Gisela Erler, GeschĂ€ftsfĂŒhrerin des PME-Familienservice, der Unternehmen und ihre Mitarbeiter berĂ€t. „Zufriedene Partnerschaften sind gut fĂŒr die Arbeitsmotivation“, sagt Traudel Klitzke. Auch nach einer aktuellen Umfrage unter 39 Unternehmen, die von der gemeinnĂŒtzigen Beruf und Familie GmbH der Hertie-Stiftung fĂŒr besondere Familienfreundlichkeit ausgezeichnet wurden, bemerken die meisten der zertifizierten Firmen eine erhöhte Mitarbeiterzufriedenheit und ProduktivitĂ€t.

Gute Vorbilder gesucht

Gegen die Bedenken, die es dennoch in vielen Unternehmen gibt, helfen nach Ansicht von Gisela Erler am besten positive Beispiele. So ist etwa von Apple Computer bekannt, dass das Unternehmen Schwierigkeiten hatte, Vaterschaftsurlaub im Unternehmen populÀr zu machen. Als aber einer der Top-Manager einen Monat frei nahm, um sich seinem neuen Baby zu widmen, folgten in den nÀchsten zwei Monaten zwei weitere VÀter aus seinem GeschÀftsbereich.

Stefan Becker, GeschĂ€ftsfĂŒhrer der gemeinnĂŒtzigen Beruf und Familie GmbH, nennt noch eine andere Strategie. Seiner Ansicht nach fallen die Hemmschwellen der VĂ€ter vor allem bei gemĂ€ĂŸigten Angeboten zur Arbeitszeitreduzierung. „Teilzeit bedeutet nicht zwangslĂ€ufig eine halbe Stelle“, sagt er. Wer 80 oder 90 Prozent der Zeit arbeitet, mĂŒsse weniger um seine Karriere bangen, die finanziellen Einbußen hielten sich in Grenzen. Und dennoch bleibt spĂŒrbar mehr Zeit fĂŒr die Familie.

So freut sich Kerstin Hamann aus dem Bereich Organisationsentwicklung der Berlinwasser Holding ĂŒber die große Akzeptanz des Projekts „Vollzeit light“. Dahinter verbirgt sich ein neues Arbeitszeitmodell, das es jedem Mitarbeiter der Berlinwasser Gruppe erlaubt, die Arbeitszeit um bis zu zehn Prozent zu verkĂŒrzen. Die Genehmigung des Teilzeitantrags ist dem Mitarbeiter garantiert, ebenso die RĂŒckkehr zu einer vollen Stelle. Die Bedingung: Die zusĂ€tzliche Freizeit von bis zu 26 Tagen im Jahr muss tage- oder wochenweise genommen werden. „So können die Abteilungen besser planen“, erklĂ€rt Hamann. Zudem werde das Modell so auch fĂŒr die Mitarbeiter im Schichtbetrieb interessant.

Mit speziellen Teilzeitangeboten MĂ€nner ansprechen

Von den 5.500 BeschĂ€ftigten der Berliner Wasserbetriebe, dem grĂ¶ĂŸten Unternehmen der Berlinwasser-Gruppe, haben seit der EinfĂŒhrung von „Vollzeit light“ im Juni 2002 ĂŒber 500 Mitarbeiter einen Antrag auf Reduzierung ihrer Arbeitszeit eingereicht. Darunter – anders als beim klassischen Teilzeitmodell – mehr als die HĂ€lfte MĂ€nner. „Das Projekt öffnet fĂŒr die MĂ€nner einen Weg, den sie vorher gar nicht gesehen haben“, sagt Hamann.

Ein SelbstlĂ€ufer war jedoch auch „Vollzeit light“ nicht. Das Projekt wurde von Workshops und Informationsangeboten begleitet. „Jeder Mitarbeiter konnte sich vorher darĂŒber informieren, was die neue Arbeitszeit fĂŒr ihn bedeuten wĂŒrde und welche finanziellen Auswirkungen sie hĂ€tte“, erklĂ€rt Hamann. Die FĂŒhrungskrĂ€fte wurden in Workshops auf die neue Herausforderung vorbereitet. „Schließlich kommt auf sie der Organisationsaufwand zu“, erklĂ€rt Hamann.

Die Teilzeit-Initiative, die auch vom Vorstand unterstĂŒtzt wurde, erfordert jedoch auch, dass die Mitarbeiter von alten Denkmodellen Abstand nehmen. Sie mĂŒssen akzeptieren, dass Teilzeit nicht nur etwas fĂŒr Frauen ist und dass PrĂ€senz im Job nicht die oberste Tugend ist. Hamann spricht von einem Anfang und einem Kulturwandel: „In Teilzeit zu arbeiten wird bei den Berliner Wasserbetrieben normal. Wenn dann ein Mann spĂ€ter seine Arbeitszeit etwa auf 75 Prozent reduzieren möchte, ist das auch nicht mehr außergewöhnlich.“

Unternehmen unterstĂŒtzen durch externe Familienservices

„Vollzeit light“ ist jedoch lĂ€ngst nicht alles, was die Berliner Wasserwerke in punkto Familienfreundlichkeit zu bieten haben. Wie andere große Firmen - etwa IBM, Audi und die Hypovereinsbank - arbeitet das Unternehmen mit dem PME Familienservice zusammen, der europaweit bereits 160 Unternehmen betreut. Damit stellen die Unternehmen ihren Mitarbeitern professionelle Ansprechpartner zu allen Fragen rund um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zur Seite. Die PME-Berater helfen bei der Organisation der Kinderbetreuung, informieren ĂŒber die Möglichkeiten einer TeilzeitbeschĂ€ftigung und unterstĂŒtzen in Fragen der persönlichen Work-Life-Balance.

So rĂ€t PME-GeschĂ€ftsfĂŒhrerin Gisela Erler MĂ€nnern, die sich eine Teilzeitregelung vorstellen können, sich genau zu ĂŒberlegen, wie sie ihren Job in Zukunft organisieren möchten und wie sich auch eine mögliche FĂŒhrungstĂ€tigkeit damit vereinbaren lĂ€sst. „Am besten geht ein Mitarbeiter mit einem fertigen Vorschlag zu seinem Vorgesetzten“, sagt die Expertin. Zudem empfiehlt sie MĂ€nnern, öfter Mut zu beweisen und ihre familiĂ€ren BedĂŒrfnisse zu Ă€ußern. So könnte ein Vater beispielsweise in seiner Abteilung darum bitten, Freitags keine Besprechungen mehr nach 16 Uhr anzuberaumen, weil er dann seinen Sohn vom Sportverein abholt.

Christian Wessels hat das geschafft. „Es war schon gewöhnungsbedĂŒrftig“, rĂ€umt jedoch auch er ein. Jetzt kann er sich indes sehr gut vorstellen, noch eine Weile im Beruf kĂŒrzer zu treten, bevor er wieder zu einer Vollzeitstelle zurĂŒck kehrt.

 

Familienfreundliche Maßnahmen

Die gemeinnĂŒtzige Beruf und Familie GmbH zertifiziert mit dem Audit „Beruf und Familie“ Unternehmen, die sich fĂŒr ein besseres Zusammenspiel von Partnerschaft, Kinder und Karriere engagieren. Zu den wesentlichen Punkten, die dabei beachtet werden zĂ€hlen:

Arbeitszeit:

Zu den Arbeitszeitenregelungen zĂ€hlen Sabbaticals, Elternurlaub, familienbedingte Teilzeitarbeit, Job-Sharing und Langzeitkonten, auf denen Arbeitszeit fĂŒr Freistellungen angespart werden kann. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf erleichtern kann jedoch auch schon eine freie Einteilung der tĂ€glichen Arbeitszeit.

Arbeitsort:

Wer teilweise von zu Hause arbeiten kann, kann flexibler auf die Belange der Familie eingehen. Das hĂ€ufigste Beispiel ist die alternierende Telearbeit, wobei der Arbeitnehmer einen Teil seiner Arbeitszeit zu Hause, die andere Zeit im BĂŒro arbeitet.

Informations- und Kommunikationspolitik:

Frauen-, Familien- oder Work-Life-Balance-Beauftragte kĂŒmmern sich um die Bekanntmachung und die Akzeptanz der familienfreundlichen Angebote. Zudem gibt es im Unternehmen eine Anlaufstelle fĂŒr die Belange von Arbeitnehmern mit Familie.

FĂŒhrung:

FĂŒr die FĂŒhrungskrĂ€fte werden Seminare angeboten, die sich mit der Vereinbarkeit von Beruf und Familie beschĂ€ftigen. Auch klassische Seminare zur Sozialkompetenz tragen dazu bei, dass FĂŒhrungskrĂ€fte besser auf die AnsprĂŒche ihrer Mitarbeiter eingehen können. Einfließen kann die erwĂŒnschte Vereinbarkeit von Beruf und Familie auch bei FĂŒhrungskrĂ€ftebewertungen und bei den Unternehmensleitlinien.

Personalpolitik:

Der Wunsch nach kĂŒrzeren Arbeitszeiten darf Karrierelaufbahn und Einstellungen nicht beeinflussen. BeschĂ€ftigte sollen sich nicht lĂ€nger fĂŒr erwerbsfreie Phasen aufgrund von Familienaufgaben rechtfertigen mĂŒssen.

Entgeldbestandteile und geldwerte Leistungen:

Zu möglichen finanziellen Maßnahmen zĂ€hlen beispielsweise erfolgsabhĂ€ngige Entgeltbestandteile, die nicht von der gearbeiteten Stundenzahl abhĂ€ngen, oder die Übernahme von Betreuungskosten fĂŒr Kinder.

Flankierende Maßnahmen fĂŒr Familien:

Zu den flankierenden Maßnahmen zĂ€hlen etwa ein Betriebskindergarten oder Beratungsangebote von außen wie etwa der PME-Familienservice.

Unternehmens- und personalpolitisches Datenmodell:

Zahlen und Fakten helfen, die Bedeutung und die Erfolge der familienfreundlichen Personalpolitik zu untermauern. Dazu zĂ€hlen: Kennzahlen fĂŒr Fluktuation oder Fehlzeiten. Wichtig können jedoch auch Mitarbeiterbefragungen sein.

Quelle: vgl.: Website der Beruf- und Familie gemeinnĂŒtzige GmbH, www.beruf-und-familie.de
 


Das bringt Familienfreundlichkeit

Von welcher Seite man das Thema „Vereinbarkeit von Beruf und Familie“ auch betrachtet wird – fĂŒr Unternehmen spricht alles dafĂŒr, MĂ€nner und Frauen bei dem schwierigen Balance-Akt zu unterstĂŒtzen.

Zufriedenere MĂ€nner:

Studien ergeben, dass VĂ€ter zunehmend an der Erziehung ihrer Kinder beteiligt sein wollen. Außerdem wĂ€chst der Druck von Seiten der Ehefrauen, die sich ebenfalls beruflich engagieren möchten.

Erhalt qualifizierter Frauen:

Scheiden Frauen aufgrund der Kindererziehung aus dem Erwerbsleben aus, mĂŒssen sie hĂ€ufig auf ihre Karriere verzichten. Das Unternehmen wiederum verliert das Geld, das es in ihre Einarbeitung und Ausbildung investiert hat.

Geringere Fluktuation:

Unternehmen, die ihren Mitarbeiter das Engagement fĂŒr die Familie verwehren beziehungsweise sie bei der AusĂŒbung ihrer Elternrolle nicht unterstĂŒtzen, laufen Gefahr, diese zu verlieren.

Leichteres Personalrekrutierung:

Auch wenn die Arbeitslosenzahlen etwas anderes glauben machen wollen, in vielen Bereichen ist es nach wie vor nicht einfach, qualifizierte Mitarbeiter zu finden. Familienfreundliche Maßnahmen sind ein Pluspunkt als Arbeitgeber.

Reduzierte Fehlzeiten:

Haben die Mitarbeiter die Möglichkeit, ihre persönlichen Belange besser mit ihrer Arbeitszeit in Einklang zu bringen, fehlen sie weniger innerhalb der eigentlichen Arbeitszeit.

BerĂŒcksichtigung der Work-Life-Balance:

Das Thema Work-Life-Balance rĂŒckt immer stĂ€rker in das Interesse von Unternehmen und Mitarbeiter. Denn: Mitarbeiter mit einem erfĂŒllten Familien- und Freizeitleben sind die produktiveren Mitarbeiter.

 Alternative zu Entlassungen:

Hinter Teilzeitangeboten steckt in vielen Unternehmen derzeit auch der SolidaritÀtsgedanke. Wenn mehrere Mitarbeiter in Teilzeit arbeiten, muss das Unternehmen weniger Entlassungen vornehmen.

Training von sozialen Kompetenzen:

Das Engagement fĂŒr die Familie ist ein perfektes Training fĂŒr die soziale Kompetenz, es fördert unter anderem das Organisationsgeschick – eine FĂ€higkeit, die auch dem Unternehmen zu Gute kommt.

ANDREA BITTELMEYER

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