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Allegra Women & Work 1/2001 Können Hexen mit Geld umgehen? Ein Blick in die Suppenküche des Berliner Hexensabbatclubs. Für all die Ahnungslosen, die auf dem Neuen Markt Kartoffeln kaufen wollen, den IWF für einen Tierschutzbund halten und comdirect für einen Quickie, haben die Finanzladys des Berliner Hexensabbatclubs nur ein Lächeln übrig. Bei der selbstbewussten Runde handelt es sich um einen Investmentclub für Frauen. Die Mitglieder legen ihr Geld gemeinsam an und tragen damit auch gemeinsam das Risiko, das die Börse mit sich bringt. Mitinitiatorin Henrike von Platen: "Unser Kreis ist für Frauen gedacht, die sich für Aktien interessieren, aber nicht auf sich allein gestellt sein möchten." Der Name rührt von einem Börsenphänomen her, das viermal im Jahr auftritt, bei dem die Börse besonders heftig mit Kursänderungen reagiert. Gegründet wurde der Club im April 2000 von dreizehn Frauen. Heute sind es siebenundzwanzig Anlegerinnen, von der Hausfrau über die Biologin bis zur Bankangestellten. Zweimal pro Monat treffen sie sich, um mehrheitlich über neue Käufe zu entscheiden. Derzeit liegt das Depot der Berlinerinnen zwar mit 15 Prozent im Minus, die Frauen investieren aber trotzdem weiter - überzeugt davon, dass an der Börse der langfristige Erfolg zählt. Gerade wird über eine Anlage von mehr als 3 000 Euro abgestimmt. "China mobile ist ein heißer Tipp", sagt Gudrun Eickelmann, die bereits 1996 mit der Telekom-Aktie ins Börsengeschäft eingestiegen ist. Ihr Plädoyer für die risikoreiche Investition in einen chinesischen Provider bringt Leben in die Runde. Soll man es weiter mit dem Börsenguru Kostolany halten, der nach dem Aktienkauf die Einnahme von Schlafmitteln empfohlen hat? Oder erfordert das extrem schnelllebige Internet mit den vielen neuen Start-ups vielleicht völlig neue Strategien? Die Mehrheit der Hexen sagt schließlich ja zum Risiko und Nein zu "ausgelutschten Daxwerten", wie Henrike von Platen die großen deutschen Standardwerte wie Thyssen oder Siemens nennt. China mobile wandert ins gemeinsame Depot. Die zweite Aktie ist schneller ausgesucht: Gegen Wedeco, ein Unternehmen, das Wasser mit UV-Strahlen reinigt, gibt es keine Einwände. Vorwissen ist im Hexensabbatclub keine Aufnahmebedingung, allerdings müssen die Investorinnen bereit sein, sich mit der Materie auseinander zu setzen. Will heißen: Wirtschaftspresse zu lesen, Finanzsendungen zu schauen, im Internet die Anlagetipps abzusurfen gehört zu den Hausaufgaben. "Wer hier eine Aktie vorschlägt, sollte auch Informationen über das Unternehmen mitbringen", erklärt die Schatzmeistern. Und ein bisschen Geld: Einsteigen kann, wer einen Mindestbeitrag von einmalig 300 Euro und monatlich noch mal 30 Euro auf das gemeinsame Konto einzahlt. Dass der Hexensabbatclub eine Zockerbande for women only ist, hat übrigens einen Grund: "Profilneurotiker brauchen wir nicht", erklärt Henrike von Platen. "Mein Mann hat aber nicht schlecht gestaunt, als ich in den ersten drei Monaten an der Börse 20 000 Mark verdient habe", freut sich Elke Hammerstein-Tschiersky. Als Bewunderer sind die Lebenspartner nach wie vor gern gesehen. ANDREA BITTELMEYER
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